Klangreise in den italienischen Sommer (von Daniel Diekhans – WZ 25.08.2025)
Ballo Liscio entführte in die Welt der mediterranen Popmusik
Wie in Bella Italia fühlten sich die gut hundert Gäste, die am Freitag die Bandfabrik in Langerfeld füllten. Dank der Band Ballo Liscio konnten sie eintauchen in die Welt der italienischen Popmusik, für die klingende Namen wie Adriano Celentano und Paolo Conte stehen. Gesicht und Stimme von Ballo Liscio ist Herwarth „Ervardo“ Böhmer, der seit mehr als 25 Jahren die Melodien der Cantautori, der mediterranen Singer-Songwriter, auf hiesigen Bühnen interpretiert. Als Student lebte der Dortmunder länger in Italien und war nach der Rückkehr fest entschlossen, selbst Musik „all’italiana“ zu machen.
Zu Böhmers aktueller Band gehören der deutsch-japanische Keyboarder Jin Urayama und Bassist Wolfgang Engelbertz. Am Schlagzeug sitzt Jörg Dausend, den man auch als Mitglied der Formation Ufermann kennt. Dausends Kollege Erhard Ufermann und der an der Bandfabrik ansässige Verein „Kultur am Rand“ luden Ballo Liscio ein, an der Schwelmer Straße das erste Konzert nach der Sommerpause zu spielen.
Mit warmer Baritonstimme und flüssigem Italienisch nahm „Ervardo“ die Zuhörer rasch für sich ein. In Celentanos „Azzurro“, das sich längst zur alternativen Nationalhymne gemausert hat, traf er den richtigen Ton zwischen Lebenslust und Sehnsucht. Direkt ins Ohr ging auch Domenico Modugnos „Volare“. Bevor er den Fünfzigerjahre-Hit sang, bat der Frontmann um Verstärkung: „Wenn ihr ein bisschen Italienisch könnt, könnt ihr ja mitsingen.“ Beim überschwänglichen Refrain tat ihm der Saal gern den Gefallen.
Eine besondere Liebe hegt das Quartett für die Lieder von Paolo Conte. Mühelos wechselte der Sänger in „Via con me“ zwischen englischen und italienischen Textzeilen, Anklängen an Jazz und Chanson. Dann wieder schwelgte er in den Balladen des Altmeisters. Wehmütige Töne steuerte Böhmers Saxophon bei, das er launig „Grappaphon“ nannte.
Nicht nur Wortspiele, ganze Geschichten ließ der Sänger in seine Bühnenansagen mit einfließen. Urvater von Ballo Liscio sei Adriano Monito gewesen, der einst mit seinen Musikern in Sizilien Furore machte. Nach Monitos Tod hätten sich seine Freunde in alle Welt zerstreut, um auf eigene Verantwortung das musikalische Vermächtnis wach zu halten. Nun habe er, Ervardo, die Aufgabe übernommen, die legendäre Band wieder zusammenzubringen. Seine Kollegen stellte er dem schmunzelnden Publikum als „Giorgio, Angelo und Jin Monito“ vor.
Während die Genannten ihren Instrumenten mitreißende Grooves entlockten, machte Böhmer dem Bandnamen Ballo Liscio („Leichter Tanz“) alle Ehre, tänzelte um sein Mikrofon herum, dirigierte den Publikumschor und animierte zum Mitklatschen: „Wuppertal! Forza!“ Den passenden Soundtrack lieferten Stücke wie „Viva la mamma“, in dem Cantautore Edoardo Bennato das Selbstbewusstsein der Müttergeneration feiert und Rock’n’Roll mit den Rhythmen seiner Heimatstadt Neapel fusioniert. Begeisterter Applaus schloss den italienischen Sommerabend ab, den Böhmer und Consorten auf der Bühne evoziert hatten.
Am kommenden Wochenende lädt die Bandfabrik, Schwelmer Straße 133, zu einer Reihe von Open Air-Konzerten „Unterm Kirschbaum“ ein. Den Auftakt im Garten der Bandfabrik macht am Donnerstag, 28. August, die Big Band Hedtberg Brass. Das Martin Henger Quartett spielt am Freitag, 29. August, Gypsy-Swing. Kubanische Klänge kommen am Samstag, 30. August, von Los Pipos. Den Abschluss bildet am Sonntag, 31. August, das Konzert von „Chioma’s Tribe“. Unter diesem Namen begleiten renommierte Jazzmusiker wie Peter Funda die Gospel- und Popsängerin Cioma Igwe.