Klaus Küster und die Sehnsucht nach Wirklichkeit in der Bandfabrik (von Michael Walmsley – WZ 14.03.2026)
Ausstellung verlängert – der Künstler bietet eine persönliche Führung an
Kultur am Rand – so lautet nicht nur der Name des federführenden Kulturvereins in der Langerfelder Bandfabrik, sondern beschreibt sehr gut das breit gefächerte Angebot der Spielstätte im östlichsten Zipfel Wuppertals. Seit Ende Februar stellt der Remscheider Künstler Klaus Küster seine eigenständige Objektkunst (Fotoscultura) aus. Die Ausstellung wurde kürzlich bis zum 24. April verlängert.
Der 1941 in Remscheid-Lennep geborene Klaus Küster gilt als einer der originellsten und produktivsten bildenden Künstler, den das Bergische Land hervorgebracht hat. In den 1960er Jahren machte er sich an der École des Beaux-Arts in Paris sowie an der Werkkunstschule Wuppertal einen Namen und arbeite ab 1969 als Grafiker und Fotograf in und für Werbeagenturen und ab demselben Jahr aus seinem Atelier in der Remscheider Ewaldstraße. Gegen Ende 1969 übernahm er nur noch freiberufliche Aufträge als Maler, Fotograf oder Bühnenbildner für das WTT (Westdeutsches Tournee-Theater Remscheid). Eine seiner bekanntesten Arbeiten als Grafiker ist das alte „Ketten“-Logo von Amnesty International.
In der Langerfelder Bandfabrik können nun einige Beispiele seiner eigenständigen Objekt-Kunst, der sogenannten Fotoscultura, bestaunt werden. Als Bildkünstler bevorzugt er das technische Medium der Fotografie, verbindet es jedoch mit plastischen Elementen und lässt so mehrdimensionale Objekte entstehen. Diese sind Hervorbringungen einer formbewussten, intensiven Wahrnehmung und legen den Fokus auf die viel zu schnell übersehenen Feinstrukturen unserer Wirklichkeiten. So wird die Bildkunst zur Erweiterung des eigenen Sehens. Obwohl Küster im Grunde nichts abbildet, lässt er Ungesehenes sichtbar werden. Beim Betrachten fällt auf, wie viel Humor in den natürlichen und den zivilisatorischen Ordnungen unseres Lebens wirklich steckt.
Die Vernissage am 22. Februar war ein voller Erfolg, wie Frank Großmann von der Bandfabrik erzählt. „Zur Vernissage hatten wir ein volles Haus. Viele bekannte Gesichter, aber auch überregional hat die Ausstellung Leute angezogen. Wir waren richtig zufrieden.” Kurator Andreas Steffen hielt eine bewegende Rede auf Küster. „Eine fotografische Bildkunst, wie Küster sie betreibt, geht darüber hinaus, indem sie, statt sie abzubilden, Ausschnitte aus der wahrnehmbaren Wirklichkeit komponiert. Und damit zeigt, dass unser Zugang zur Wirklichkeit immer auf dem Umweg ihrer Gestaltung, und nur auf ihm, möglich ist. Das Bild ist weniger Repräsentanz der Wirklichkeit als Ausdruck der Sehnsucht nach ihr.”
Bevor die Ausstellung am 26. April endet, haben Frank Großmann und die Bandfabrik noch einiges geplant. „Der Zuspruch für die Bilder ist toll. Folgerichtig haben wir die Ausstellung kürzlich bis Ende April verlängert. Wir werden auch eine Führung durch die Ausstellung anbieten, die von Klaus Küster persönlich durchgeführt wird. Der genaue Termin ist aktuell noch in Planung, wird aber zeitnah bekannt gegeben. Am 26. April beenden wir die Ausstellung dann mit einer klassischen Finissage, zu der wir herzlich einladen.”
Informationen zum Programm der Bandfabrik finden sich auf der Homepage bandfabrik-wuppertal.de