Stephan Stracke – Langerfeld in der NS-Zeit – 05.05.2026
Die Veranstaltung bot einen eindrucksvollen Einblick in jene historischen Entwicklungen, die bis heute nachwirken und unser Verständnis der Gegenwart schärfen. Im Mittelpunkt standen dabei weniger bekannte, zugleich aber äußerst prägende Ereignisse und Konflikte aus Langerfeld und Wuppertal während der Zeit des Nationalsozialismus.
So wurde etwa der erbitterte Kampf zwischen den „Deutschen Christen“ und der Bekennenden Kirche vor Ort anschaulich nachgezeichnet. Dieser Konflikt steht exemplarisch für die ideologischen Spannungen innerhalb der evangelischen Kirche jener Zeit. Ebenso rückten die überraschend gewaltsamen Auseinandersetzungen beim Schützenfest im Sommer 1934 in den Fokus, bei denen es zu heftigen Konflikten zwischen Langerfelder Schützen und der SA kam.
Darüber hinaus stellte der Vortrag zentrale lokale Akteure vor: Sowohl NS-Funktionsträger als auch Menschen, die Widerstand leisteten und sich dem Regime entgegenstellten. Ergänzt wurde dieses Bild durch Einblicke in bislang wenig beachtete Aspekte der Ortsgeschichte, etwa den heute verschwundenen Flugplatz sowie die Rolle von Zwangsarbeit, unter anderem bei der Firma Espenlaub und weiteren Langerfelder Betrieben. Die zahlreich erschienenen BesucherInnen rundeten durch interessante Familiengeschichten aus der Zeit des Nationalsozialismus in Wuppertal den thematischen Rahmen ab.
Mit großer Sachkenntnis und anschaulicher Darstellung führte der Referent Stephan Stracke durch den Abend. Der 1964 geborene Historiker promovierte an der Freie Universität Berlin, erwarb seinen Magister an der Bergische Universität Wuppertal und war Promotionsstipendiat der Hans-Böckler-Stiftung. Seine Dissertation zu den Wuppertaler Gewerkschaftsprozessen sowie zahlreiche Publikationen und sein Engagement als Mitbegründer des Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal e.V. unterstreichen seine ausgewiesene Expertise.